Die Geschichte Einsiedels
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der Gemarkung Mníšek / Einsiedel klicken.
Über
die Gründung der Gemeinde Einsiedel an der Göllnitz gibt es einige
widersprüchliche Daten. Amtlich wird das Jahr 1322 als erste
urkundliche Erwähnung in der Statistik geführt. Nach Urkunden
aus jener Zeit ist aber belegt, daß 1230 ein Bürger namens Herkul aus
Göllnitz vom
Ungarnkönig Ladislaus IV. einen "unbewohnten" Wald an der Mündung des
Schmöllnitzbaches in die Gniletz zur Nutzung und Ansiedlung überlassen
bekam. Diese Gegend hatte
über 500 Jahre keine Ansiedlung, nachdem die vormals hier lebenden
Kelten und Germanen weggezogen waren. In diesem Wald, "silva scepus" genannt, lebten nur einige
Mönche (Eremiten =
Einsiedler). Nach Herkul
gehörte die Landschaft
Einsiedel und Schwedler zwei adligen Brüdern Georg und Nikolai, Söhne
des Göllnitzer Adligen Konrad. Danach waren bis 1338 die Söhne des
Nikolai, Thomas und Laurentius, die Besitzer dieser Gegend. Die ersten
namentlichen Erwähnungen lauten domus villa, Locus Heremitae und
ähnlich, also auf die Einsiedelei bzw. auf die Eremiten
bezogen. Die hier lebenden Einsiedler waren in aller Regel Mönche,
woraus sich viel
später
die
slowakische Bezeichnung Mnich (= Mönch) bzw. Mníšek entwickelte. 1255,
1284 und
1332 erscheinen nochmals urkundliche Nennungen, letztere in einer
Schmöllnitzer Urkunde als "ad Heremitam". Der Mongolensturm 1241
scheint
im Gegensatz zu anderen Tälern hier keine großen Auswirkungen gehabt zu
haben. Diese Katastrophe ist jedenfalls nicht näher erwähnt. Die
Besiedlung erfolgte ab 1243 von aus Franken, Baiern und Thüringen zugezogenen
Handwerkern, Bauern und vor allem
Bergleuten, die von
Werbern der ungarischen Könige gerufen, diese
Gegend urbar machen
sollten. Hierfür erhielten sie das königliche
Privileg, ihr heimatliches Recht in den neuen Siedlungen auszuüben.
Anfang des 14.Jahrhunderts war nachweislich die Gegend um den
sogenannten Tinesgrund
im unteren Schmöllnitztal besiedelt. Dort sind aus dieser Zeit die
Namen Dörfel
und Schlössel bekannt, Siedlungen von Bergleuten. Durch den Tinesgrund
führte damals ein Handelsweg ins südlich benachbarte Moldau-Tal
(Bodva-Tal). Später entwickelten
sich daneben noch mehrere andere Ansiedlungen, die jeweils um die
Gruben herum
angelegt waren, im Laufe der Zeit aber zu einer größeren Gemeinde
zusammenwuchsen.
Diese Gemeinde Einsiedel entwickelte sich im Laufe der nächsten
Jahrhunderte recht
gut, die Bewohner waren fleissig und schufen sich einen ansehnlichen
Reichtum, der sich aus der Ausbeute der Stollen ergab: Silber, Gold,
Blei, Quecksilber, vor allem aber Eisen und dessen Verhüttung, und
Kupfer, welches
im so genannten Zementierungsverfahren aus Eisenerzen gewonnen wurde.
Der
Schmöllnitz-Bach hatte
lange Zeit den Namen "Zementwasser" von dieser Technik her, einer
ziemlich aggressiven Brühe, die - auch heute noch - vor allem metallene
Wasserleitungen - und die Zähne der Bewohner - zerfrißt. Besonders im
15. Jahrhundert war die Blütezeit
des hiesigen Bergbaues, es wurden fast alle Berge mit Stollen
durchzogen, um an die unterirdischen Schätze zu gelangen. Besonders zu
erwähnen ist der 800 m
lange Salzstollen, der
sich nordöstlich der Gemeinde befand und aus dem Salz gefördert wurde.
Im 16. und 17. Jahrhundert sorgte diese Grube für einen ansehnlichen
wirtschaftlichen Aufschwung, wurde doch das Salz im ganzen Ungarn
verkauft.
Mit den deutschen Siedlern, die die ersten Einsiedler Ansiedlungen
gegründet hatten, waren auch jüdische Familien mitgekommen. Während die
deutschen Handwerker und Hauer sich hauptsächlich um den Bergbau
kümmerten, erhielten die jüdischen Familien vom ungarischen Adel
aufgrund ihrer Geschäftstüchtigkeit die Privilegien zur Führung von
Geschäften, Gaststätten, Sägewerken und zum Holzhandel. Sie waren
durchweg dem deutschen Kulturkreis zugehörig und lebten ungestört
mitten unter der übrigen Bürgerschaft, hatten auch genauso ihre
öffentlichen Funktionen, wie die deutschen oder auch slowakischen oder
ungarischen
Einwohner.
Die Gemeinde hatte durch den Reichtum auch einen gewissen Einfluß bei
der
Obrigkeit, die ihr weitgehende Selbstverwaltung als Freie Bergstadt
(1609), die Gerichtsbarkeit und sogar das
Schwertrecht
gewährte, was über Leben und Tod entschied. 1628, 1629 und 1659 wurden
Todesurteile über Diebe und Räuber verhängt. Der Galgen stand zu dieser
Zeit oberhalb des Friedhofs auf dem Galgenhübl.
Dieser Hügel dürfte demnach schon zu damaliger Zeit zu Volksbelustigung
und
Festlichkeiten benutzt worden sein, denn es gab in Einsiedel
bereits die "Tanzmeisterschaft", einen Verein, der sich um die
Sittenstrenge der Jugend kümmerte. Auf dem Galgenhübl stand
später auch der
Tanzpavillon "Tanzplatz" (1928), wohl auch wegen der schönen Aussicht
über das gesamte Tal. Heute steht dort die Grundschule.
Eine der wichtigsten Einrichtungen der Stadt war die Einsiedler
Bergknappschaft, die bereits 1634 gegründet wurde und sich vor allem in
sozialer Hinsicht um die Bergleute und ihre Hinterbliebenen kümmerte.
Die so genannte "Bruderlade" war das organisatorische Zentrum der
Knappschaft und wurde vom "Brudervater" verwaltet. Sie stellt im
eigentlichen Sinne die erste Sozialhilfeeinrichtung bzw. auch
Pensionskasse der Gemeinde dar. Die Bergknappschaft wurde über mehrere
Jahrhunderte ein stark gestaltendes Element des Einsiedler
Gemeindelebens.
Im 17. und 18. Jahrhundert gab es dann aber gewaltige Rückschläge, die
die aufstrebenden Gemeinden des Göllnitztales viele Bewohner kostete
und ihnen auch große finanzelle Einbußen bescherte. Zuerst kam 1660 bis 1666
die "Große Pest", in deren Verlauf 1222 Bewohner Einsiedels starben. Es
blieben nur etwa 400 Bewohner übrig. Einsiedel hatte sich kaum ein
wenig erholt, als 1703 Frantisek II. Rákóczy
von Wagendrüssel (Nalepkovo)
aus zur Rebellion in Ungarn aufrief. 1709 brannten die
Rebellen
Einsiedel nieder, weil sich dort die kaisertreuen Truppen einquartiert
hatten.
Es blieben - nach einer alten Urkunde aus Schwedler - gerade mal 4
Häuser stehen. 1 Jahr später berannten die Kuruzzen Einsiedel mit 2000
Mann unter einem französischen Kommandanten. Sie plünderten Stadt und
Kirche, konnten aber von der sich tapfer wehrenden Einwohnerschaft
vertrieben werden. Es gab es aber noch
keine Ruhe: die
"Kleine Pest" raffte bald danach nochmals 400 Leute dahin. Damit war
die
Bevölkerung
Einsiedels so dezimiert, daß sich die wirtschaftliche Lage nicht mehr
erholte.
Um die Folgen dieser unruhigen Zeit lindern zu können, gründete sich
1748 "Die ämtlich vereinigte waldbürgerschaftliche Sozietät". Dieser
Gemeinschaft konnten arme und reiche Leute sowie Firmen und Handwerke
beitreten. Die Mitglieder waren hauptsächlich
die Bergleute, die hier Ihre soziale Sicherung fanden.
Die "Freie Bergstadt" Einsiedel wurde um diese Zeit aufgrund der
trostlosen Verhältnisse vom ungarischen König
an
die Familie Zápolya verliehen, womit die Selbständigkeit Einsiedels
beendet war. Den Zápolyas folgte einige
Jahre später die Familie
Thurzo, und diesen
bald danach die Grafen
Czáky. In dieser Zeit verarmte die Gemeinde völlig. Es wurde der
Versuch gemacht durch die Pacht der Prackendorfer Hämmer (Hammerwerke
zur Eisenverarbeitung) die Schulden zu verringern, was aber mißlang.
1794 versuchte sich die Gemeinde dann von der Grundherrschaft
Czákys freizukaufen. Das wurde aber erst im 19. Jahrhundert, 1839,
wirksam, als die Grafen Csáky den Freikauf anerkannten.
Mit dem Niedergang des Bergbaues - auch bedingt durch den Rückgang der
Erzausbeute - mußten sich die Einsiedler Bürger nach anderen
Erwerbsquellen umsehen. Sie fanden sie in der bereits weitgehend
aktivierten Waldwirtschaft, da bei der Verhüttung der Erze enorme
Holzmengen ohne Rücksicht auf Verluste geschlagen worden waren. Nunmehr
kümmerten sich erstmals angestellte Bürger der Gemeinde um die
forstwirtschaftlichen Belange. Im weiteren wurden dann Forstbehörden
gegründet. Diese besorgten nun nach moderneren Methoden die
Wiederaufforstung der abgeholzten Wälder. Ein weiterer Erwerbszweig
entstand hierbei, die Langholzfuhrleute, die das nunmehr fachgerecht
vermarktete Holz aus dem Wald abfuhren und in entferntere Gebiete
brachten. Auch die 1878 eröffnete Schmalspurbahn von Schmöllnitz-Hütte
nach Göllnitz diente dem Holztransport und dem Versand der Metallprodukte aus der Verhüttung in den umliegenden
Gemeinden, anstelle der
seither sehr beschwerlichen Abfuhr mit Pferde- oder Ochsengespannen.
Die weitere wirtschaftliche und politische Lage im 19. Jahrhundert ließ
keine
Möglichkeiten mehr zu einer Verbesserung der hiesigen Verhältnisse. Aufgrund der mangelnden Verdienstmöglichkeiten war die
Folge, daß viele
Leute sich auf den Weg in die "Neue Welt" machten, nach Amerika
auswanderten. Laut der ungarischen Statistik waren es 1880 bis 1890
fast 25.000 Leute aus dem Zipser Komitat, die dem Ruf folgten. Das war
aber noch nicht alles, denn 30 Jahre später - gleich nach
dem ersten Weltkrieg
- 1920 - zogen nochmals viele - auch viele Einsiedler Bürger - nach
USA, die fast alle dort Fuß fassen konnten.
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