Die Slowakei

ein Land in der Europäischen Union


Mníšek nad Hnilcom
.
Interaktive Übersichtskarte

Einsiedel an der Göllnitz

eine Landgemeinde in der
Region Unterzips

Landkreis Gelnica
Verwaltungsbezirk Košice
in der Ost-Slowakei

Titelbild:
Blick vom Spitzenberg,
dem Hausberg Einsiedels,
auf die Ortsmitte (31.12.2006)

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Die Geschichte Einsiedels

Hier zur  Übersichtskarte der Gemarkung Mníšek / Einsiedel   klicken.

Über die Gründung der Gemeinde Einsiedel an der Göllnitz gibt es einige widersprüchliche Daten. Amtlich wird das Jahr 1322 als erste urkundliche Erwähnung in der Statistik geführt. Nach Urkunden aus jener Zeit ist aber belegt, daß 1230 ein Bürger namens Herkul aus Göllnitz vom Ungarnkönig Ladislaus IV. einen "unbewohnten" Wald an der Mündung des Schmöllnitzbaches in die Gniletz zur Nutzung und Ansiedlung überlassen bekam. Diese Gegend hatte über 500 Jahre keine Ansiedlung, nachdem die vormals hier lebenden Kelten und Germanen weggezogen waren. In diesem Wald, "silva scepus" genannt, lebten nur einige Mönche (Eremiten = Einsiedler). Nach Herkul gehörte die Landschaft Einsiedel und Schwedler zwei adligen Brüdern Georg und Nikolai, Söhne des Göllnitzer Adligen Konrad. Danach waren bis 1338 die Söhne des Nikolai, Thomas und Laurentius, die Besitzer dieser Gegend. Die ersten namentlichen Erwähnungen lauten domus villa, Locus Heremitae und ähnlich, also auf die Einsiedelei bzw. auf die Eremiten bezogen. Die hier lebenden Einsiedler waren in aller Regel Mönche, woraus sich viel später die slowakische Bezeichnung Mnich (= Mönch) bzw. Mníšek entwickelte. 1255, 1284 und 1332 erscheinen nochmals urkundliche Nennungen, letztere in einer Schmöllnitzer Urkunde als "ad Heremitam". Der Mongolensturm 1241 scheint im Gegensatz zu anderen Tälern hier keine großen Auswirkungen gehabt zu haben. Diese Katastrophe ist jedenfalls nicht näher erwähnt. Die Besiedlung erfolgte ab 1243 von aus Franken, Baiern und Thüringen zugezogenen Handwerkern, Bauern und vor allem Bergleuten, die von  Werbern der ungarischen Könige gerufen, diese Gegend urbar machen sollten. Hierfür erhielten sie das königliche Privileg, ihr heimatliches Recht in den neuen Siedlungen auszuüben.

Anfang des 14.Jahrhunderts war nachweislich die Gegend um den sogenannten Tinesgrund im unteren Schmöllnitztal besiedelt. Dort sind aus dieser Zeit die Namen Dörfel und Schlössel bekannt, Siedlungen von Bergleuten. Durch den Tinesgrund führte damals ein Handelsweg ins südlich benachbarte Moldau-Tal (Bodva-Tal). Später entwickelten sich daneben noch mehrere andere Ansiedlungen, die jeweils um die Gruben herum angelegt waren, im Laufe der Zeit aber zu einer größeren Gemeinde zusammenwuchsen.

Diese Gemeinde Einsiedel entwickelte sich im Laufe der nächsten Jahrhunderte recht gut, die Bewohner waren fleissig und schufen sich einen ansehnlichen Reichtum, der sich aus der Ausbeute der Stollen ergab: Silber, Gold, Blei, Quecksilber, vor allem aber Eisen und dessen Verhüttung, und Kupfer, welches im so genannten Zementierungsverfahren aus Eisenerzen gewonnen wurde. Der Schmöllnitz-Bach hatte lange Zeit den Namen "Zementwasser" von dieser Technik her, einer ziemlich aggressiven Brühe, die - auch heute noch - vor allem metallene Wasserleitungen - und die Zähne der Bewohner - zerfrißt. Besonders im 15. Jahrhundert war die Blütezeit des hiesigen Bergbaues, es wurden fast alle Berge mit Stollen durchzogen, um an die unterirdischen Schätze zu gelangen. Besonders zu erwähnen ist der
800 m lange Salzstollen, der sich nordöstlich der Gemeinde befand und aus dem Salz gefördert wurde. Im 16. und 17. Jahrhundert sorgte diese Grube für einen ansehnlichen wirtschaftlichen Aufschwung, wurde doch das Salz im ganzen Ungarn verkauft.

Mit den deutschen Siedlern, die die ersten Einsiedler Ansiedlungen gegründet hatten, waren auch jüdische Familien mitgekommen. Während die deutschen Handwerker und Hauer sich hauptsächlich um den Bergbau kümmerten, erhielten die jüdischen Familien vom ungarischen Adel aufgrund ihrer Geschäftstüchtigkeit die Privilegien zur Führung von Geschäften, Gaststätten, Sägewerken und zum Holzhandel. Sie waren durchweg dem deutschen Kulturkreis zugehörig und lebten ungestört mitten unter der übrigen Bürgerschaft, hatten auch genauso ihre öffentlichen Funktionen, wie die deutschen oder auch slowakischen oder ungarischen Einwohner.

Die Gemeinde hatte durch den Reichtum auch einen gewissen Einfluß bei der Obrigkeit, die ihr weitgehende Selbstverwaltung als Freie Bergstadt (1609), die Gerichtsbarkeit und sogar das Schwertrecht gewährte, was über Leben und Tod entschied. 1628, 1629 und 1659 wurden Todesurteile über Diebe und Räuber verhängt. Der Galgen stand zu dieser Zeit oberhalb des Friedhofs auf dem Galgenhübl.

Dieser Hügel dürfte demnach schon zu damaliger Zeit zu Volksbelustigung und Festlichkeiten benutzt worden sein, denn es gab in Einsiedel bereits die "Tanzmeisterschaft", einen Verein, der sich um die Sittenstrenge der Jugend kümmerte.  Auf dem Galgenhübl stand später auch der Tanzpavillon "Tanzplatz" (1928), wohl auch wegen der schönen Aussicht über das gesamte Tal. Heute steht dort die Grundschule.

Eine der wichtigsten Einrichtungen der Stadt war die Einsiedler Bergknappschaft, die bereits 1634 gegründet wurde und sich vor allem in sozialer Hinsicht um die Bergleute und ihre Hinterbliebenen kümmerte. Die so genannte "Bruderlade" war das organisatorische Zentrum der Knappschaft und wurde vom "Brudervater" verwaltet. Sie stellt im eigentlichen Sinne die erste Sozialhilfeeinrichtung bzw. auch Pensionskasse der Gemeinde dar. Die Bergknappschaft wurde über mehrere Jahrhunderte ein stark gestaltendes Element des Einsiedler Gemeindelebens.

Im 17. und 18. Jahrhundert gab es dann aber gewaltige Rückschläge, die die aufstrebenden Gemeinden des Göllnitztales viele Bewohner kostete und ihnen auch große finanzelle Einbußen bescherte. Zuerst kam
1660 bis 1666 die "Große Pest", in deren Verlauf 1222 Bewohner Einsiedels starben. Es blieben nur etwa 400 Bewohner übrig. Einsiedel hatte sich kaum ein wenig erholt, als 1703  Frantisek II. Rákóczy von Wagendrüssel (Nalepkovo) aus zur Rebellion in Ungarn aufrief. 1709 brannten die Rebellen Einsiedel nieder, weil sich dort die kaisertreuen Truppen einquartiert hatten. Es blieben - nach einer alten Urkunde aus Schwedler - gerade mal 4 Häuser stehen. 1 Jahr später berannten die Kuruzzen Einsiedel mit 2000 Mann unter einem französischen Kommandanten. Sie plünderten Stadt und Kirche, konnten aber von der sich tapfer wehrenden Einwohnerschaft vertrieben werden. Es gab es aber noch keine Ruhe: die "Kleine Pest" raffte bald danach nochmals 400 Leute dahin. Damit war die Bevölkerung Einsiedels so dezimiert, daß sich die wirtschaftliche Lage nicht mehr erholte.

Um die Folgen dieser unruhigen Zeit lindern zu können, gründete sich 1748 "Die ämtlich vereinigte waldbürgerschaftliche Sozietät". Dieser Gemeinschaft konnten arme und reiche Leute sowie Firmen und Handwerke beitreten. Die Mitglieder waren
hauptsächlich die Bergleute, die hier Ihre soziale Sicherung fanden.

Die "Freie Bergstadt" Einsiedel wurde um diese Zeit aufgrund der trostlosen Verhältnisse vom ungarischen König an die Familie Zápolya verliehen, womit die Selbständigkeit Einsiedels beendet war.
Den Zápolyas folgte einige Jahre später die Familie Thurzo, und diesen bald danach die Grafen Czáky. In dieser Zeit verarmte die Gemeinde völlig. Es wurde der Versuch gemacht durch die Pacht der Prackendorfer Hämmer (Hammerwerke zur Eisenverarbeitung) die Schulden zu verringern, was aber mißlang. 1794 versuchte sich die Gemeinde dann von der Grundherrschaft Czákys freizukaufen. Das wurde aber erst im 19. Jahrhundert, 1839, wirksam, als die Grafen Csáky den Freikauf anerkannten.

Mit dem Niedergang des Bergbaues - auch bedingt durch den Rückgang der Erzausbeute - mußten sich die Einsiedler Bürger nach anderen Erwerbsquellen umsehen. Sie fanden sie in der bereits weitgehend aktivierten Waldwirtschaft, da bei der Verhüttung der Erze enorme Holzmengen ohne Rücksicht auf Verluste geschlagen worden waren. Nunmehr kümmerten sich erstmals angestellte Bürger der Gemeinde um die forstwirtschaftlichen Belange. Im weiteren wurden dann Forstbehörden gegründet. Diese besorgten nun nach moderneren Methoden die Wiederaufforstung der abgeholzten Wälder. Ein weiterer Erwerbszweig entstand hierbei, die Langholzfuhrleute, die das nunmehr fachgerecht vermarktete Holz aus dem Wald abfuhren und in entferntere Gebiete brachten. Auch die 1878 eröffnete Schmalspurbahn von Schmöllnitz-Hütte nach Göllnitz diente dem Holztransport und dem Versand
der Metallprodukte aus der Verhüttung in den umliegenden Gemeinden, anstelle der seither sehr beschwerlichen Abfuhr mit Pferde- oder Ochsengespannen.

Die weitere wirtschaftliche und politische Lage im 19. Jahrhundert ließ keine Möglichkeiten mehr zu einer Verbesserung der hiesigen Verhältnisse.
Aufgrund der mangelnden Verdienstmöglichkeiten war die Folge, daß viele Leute sich auf den Weg in die "Neue Welt" machten, nach Amerika auswanderten. Laut der ungarischen Statistik waren es 1880 bis 1890 fast 25.000 Leute aus dem Zipser Komitat, die dem Ruf folgten. Das war aber noch nicht alles, denn 30 Jahre später -  gleich nach dem  ersten Weltkrieg - 1920 - zogen nochmals viele - auch viele Einsiedler Bürger - nach USA, die fast alle dort Fuß fassen konnten.

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