Die Slowakei

ein Land in der Europäischen Union


Mníšek nad Hnilcom

interaktive Übersichtskarte

Einsiedel an der Göllnitz

eine Landgemeinde in der
Region Unterzips

Landkreis Gelnica
Verwaltungsbezirk Košice
in der Ost-Slowakei

Titelbild:
Blick vom Spitzenberg,
dem Hausberg Einsiedels,
auf die Ortsmitte (31.12.2006)

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KLOPTAÒ  -  Die "Klopptanne"

Die Klopptanne - der Berg der Jugendbewegung in der Zips
Ein Bericht von Rudolf Göllner (1965)

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Schutzhütte mit Aussichtsturm auf dem Gipfel der Klopptanne


Prof. Dr.Johann Liptak bat mich in seinem letzten an mich gerichteten Schreiben um Auskunft über einen Bergmannsbrauch in meinem Heimatort Einsiedel. Es handelte sich darum, ob dort vor 1945 noch etwas daran erinnert habe, dass der Bergmann durch Klopfen  - z.B. an ein zu diesem Zweck eigens angebrachtes Brett - sich wecken bzw. zum Antreten zur Arbeit auffordern ließ. Leider starb Dr.Liptak bevor ich ihm diese Frage beantworten konnte.

In Einsiedel gab es in früheren Zeiten einen ausschließlich von Bergleuten bewohnten Ortsteil, der den Namen "Kloppoat" (Klopf-Ort) geführt hatte. Außerdem hieß der 1153 m hohe Berg zwischen Einsiedel und Metzenseifen im Gründler Volksmund "Klopptanne". Die ältesten Bewohner Einsiedels führten meines Wissens den Bergnamen auf den angeblichen Brauch der Bergleute zurück,
sich durch Klopfen an eine Tanne Verständigungszeichen zu geben. Ob diese Erklärung nur volksethymologischer Herkunft ist, soll hier nicht entschieden werden.

Der Berg hatte in unserem Siedlungsgebiet seinerzeit nicht wegen seines Namens eine besondere Bedeutung erlangt, sondern dadurch, daß er in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg - und davon will ich berichten - zum Treffpunkt unserer deutschen Jugend auserkoren wurde.

1963 waren es 50 Jahre, seit 1913 auf dem Hohen Meissner in Nordhessen jene denkwürdige und vielbeachtete Kundgebung der damals im Werden begriffenen deutschen Jugendbewegung stattgefunden hatte. Über die aus diesem Anlass 1963 durchgeführte Jubiläumsveranstaltung auf dem Meissner konnte man viele Berichte und kritische Beiträge lesen. Natürlich war nicht zu erwarten, daß die Festredner bei dieser Gelegenheit auch erwähnen oder genauer ausführten, inwieweit und auf welche Art und Weise und - nicht zu vergessen, aus welchem Grund - die Jugendbewegung nach 1918 die deutschen Lebensformen der Unterzips in der ehemaligen Tschechoslowakei maßgebend beeinflußt haben sollten. Daß dies geschehen war, durfte wohl in Deutschland im allgemeinen unbekannt oder längst vergessen sein. Wir aber wissen, daß die Klopptanne in den Zipser Gründen einst vielfach im Blickfeld der deutschen Jugendbewegung stand und zum Ort zahlreicher Jugendtreffen aus den Sudetengebieten, aus Deutschland und dem Karpatenraum geworden war.

Es war verständlich, daß die sudetendeutschen "Wandervögel", die in den zwanziger Jahren alljährlich in den Sommerferien zu uns gekommen waren, um mit unserer Jugend Volkstumsarbeit zu treiben. Zusammen mit unsere einheimischen Jugend wurden gerne Bergwanderungen und Ausflüge unternommen und sehr bald auch Treffen der Jugend der gesamten Unterzips auf dem günstig gelegenen und höchsten Berg der Gegend, der Klopptanne, veranstaltet. Die Beliebtheit des Berges nahm von Jahr zu Jahr zu. Im Sommer 1928 kamen allein 150 deutsche Jugendwanderer zu einem Jugendtreffen auf der Klopptanne zusammen. Sie zelteten längere Zeit und verbrachten bei Spiel, Volkstanz, Gesang und Sport gemeinsam mit der Gründler Jugend schöne und erlebnisreiche Stunden.

Allmählich wurde es eine selbstverständliche Gepflogenheit, die geplanten Jugendtreffen auf der Klopptanne abzuhalten. Und die einheimische Jugend fühlte sich auch allein zuständig, in der warmen Jahreszeit die Durchführung eines Jugendtreffens in die Hand zu nehmen. Die Arbeit hatte sich immer gelohnt, schon der Aussicht wegen. Der Blick von diesem herrlichen Zipser Berggipfel schweift frei in südlicher Richtung nach Ungarn hinein, während im Norden unvergleichbar eindrucksvoll die schneebedeckten Felsgipfel des Tatra-Massivs grüßen. Aber auch im übrigen waren es jedes Mal unvergessliche Stunden, die vielen jungen Menschen aus der Zips, dem Sudetenland und aus Deutschland vor 1933 - noch erfüllt von echten Idealen - auf dem "Meissner im Nordkarpatengebiet" zu erleben vergönnt waren. Die Erinnerung daran dürfte bei vielen Teilnehmern wach geblieben sein.

(Aus dem Buch "Zipser erzählen" I., herausgegeben und zu beziehen vom Hilfsbund Karpatendeutscher Katholiken, Stuttgart, 2000)


Eine Anmerkung des Autors

Es ist schon eigenartig, daß es mich als bündischen Uralt-Pfadfinder ausgerechnet in die Ortschaft Einsiedel verschlagen hat. Ich hatte mit allem Möglichen gerechnet,
nur nicht mit jugendbewegter Vergangenheit, als ich mein Domizil in diesem alten Ort aufschlug und - nachdem ich meiner Frau Ursula lange genug vorgeschwärmt hatte, welche Schönheiten dieses Land zu bieten hat - sie mit mir hierher kam. Nach etwa zwei Jahren, die wir hier lebten, hatten wir uns vorgenommen, für die deutschen Pfadfinder und auch andere Jugendbewegte einen Zeltplatz bzw. auch Lagerplatz für Sommerlager auf unserem Grundstück einzurichten (auch für Wanderer, Fahrrad-, Motorrad- und Campingreisende mit nicht zu hohen Komfortansprüchen), denn da in der Slowakei striktes Übernachtungsverbot außerhalb privater eingezäunter Grundstücke besteht, war ein Bedarf gegeben. Schon auch aus dem Grunde, dass im ganzen Gründler Tal kein öffentlicher Zelt- oder Campingplatz vorhanden ist. 

Was wir erst jetzt herausfanden, war die Geschichte vom Jugendtreffpunkt Klopptanne, von dem noch der eine oder andere ältere Bürger iim Göllnitztal zu berichten weiß. Dieser Gipfel liegt gut 2 Stunden Fußmarsch von Einsiedel entfernt. Auch beim Karpatendeutschen Verein der Slowakei (KDV),  der hier eine sehr rührige Ortsgruppe hat, finden wir immer wieder neue Informationen und Unterstützungen für diverse Vorhaben. Nachdem ich 1963 mit der Pfadfinderschaft Grauer Reiter auf dem Hohen Meissner die 50 Jahre der deutschen Jugendbewegung mitfeiern durfte,  ist es für mich ein Ansporn, diese jungen Leute wieder hier - an der Klopptanne - dem Berg der mitteleuropäischen Jugendbewegung - heimisch zu machen und auf diese Weise meinen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten.

Wir freuen uns auf alle, die uns hier besuchen werden, und mit denen wir das eine oder andere Fest feiern können.

AHOJTE ! 
  Euer Wolfo Volland   (im Februar 2007)


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